11. Oktober 2006
4. Proteste gegen G8
Seit vielen Jahren sind die G8-Gipfel das Ziel von globalisierungskritischen Protesten. Einen ersten Schritt dazu bildete ein alternativer Gipfel, welcher erstmalig 1984 in London unter dem Namen "The other economic summit" (TOES) zusammentrat. Seither gibt es im Rahmen der Protestveranstaltungen gegen den G8-Gipfel regelmäßig einen Gegen- oder Alternativgipfel, bei dem verschiedenste NGOs sowie vorrangig soziale und linke Bewegungen ihre Konzepte und Strategien für eine zukünftige Weltwirtschaft vorstellen und diskutieren.
Die erste größere Gegendemonstration gegen den G8-Gipfel fand 1985 in Bonn statt. Zur damaligen Hochzeit der Friedensbewegung protestierten im Hofgarten 20.000 Menschen. In den folgenden Jahren stieg die Zahl der Gipfelkritiker stetig an. So zählte beispielsweise die Gegendemonstration in Paris im Jahr 1989 rund 100.000 Teilnehmer. Dann folgte eine Zeit der Rückschläge, so protestierten 3 Jahre später in München nur wenige und vorwiegend autonome Linke. Auch die Gegenmobilisierung beim Gipfel 1999 in Köln blieb vergleichsweise bescheiden. Allerdings beteiligen sich schon wieder 30.000 Menschen an einer Aktion von entwicklungspolitischen NGOs, die eine Kampagne zur Entschuldung der Länder der Dritten Welt organisieren (Jubilee 2000)(1).
Zwei Jahre später hatte sich das Bild allerdings völlig verändert. So kam es 2001 in Genua zu massiven Protesten gegen den G8-Gipfel: 250.000 Menschen waren auf der Strasse. Gewerkschaften und die italienische Linkspartei PRC waren tragende Kräfte dieses Protests. Diese Gegenmobilisierung markiert den Durchbruch der neuen Bewegung in Europa. Unmittelbar nach den Ereignissen in Genua entwickelt sich Attac in Deutschland zu einem neuen Akteur. Die Proteste in Genua waren allerdings auch Schauplatz massiver Repression seitens der italienischen Polizei (unter der neuen Berlusconi-Regierung führte der Chef der neofaschistischen Allianze Nazionale als Innenminister den Einsatz). Hunderte Menschen werden bei Ausschreitungen verletzt und den traurigen Höhepunkt bildet der Tod des 21-jährigen Carlo Guiliani, der von der Polizei erschossen wurde. Als Konsequenz der Ereignisse in Genua finden die G8-Gipfel nicht mehr in größeren Städten statt. Nach dem Treffen 2002 in Kananaskis, einem abgelegenen Ort in den kanadischen Bergen, folgen die Zusammenkünfte 2003 in Evian, in den französischen Alpen oder 2005 in Gleneagles in Schottland. In der Nähe von Edinburgh demonstrierten über 200.000 Menschen, die vorwiegend von einer Kampagne der NGO "Make Poverty History" mobilisiert wurden.
Anmerkungen
(1) In diesem Zusammenhang kommt die globalisierungskritische Bewegung auf, deren Zusammenkünfte in Seattle (1999) und Porto Alegre (2000) weltweite Aufmerksamkeit erlangen. Darüber hinaus wurde der Grundstein für eine enge Zusammenarbeit mit den Gewerkschaften gelegt, deren Forderungen mittlerweile einen wichtigen Platz in der Bewegung einnehmen und deren Blick für globalisierungskritische Positionen wiederum gestärkt wird.
