11. Oktober 2006
2. Entstehung und Entwicklung der G8
Die Geschichte dieses "Clubs der Reichen und Mächtigen" begann 1975, als sich auf Initiative des damaligen französischen Staatspräsidenten Valéry Giscard d'Estaing die Staats- und Regierungschefs von Deutschland, Frankreich, Italien, Japan, Großbritannien und den USA zu einem Kamingespräch auf Schloss Rambouillet versammelten. 1976 kam Kanada als siebtes Mitglied dazu. Seit 1998 nimmt auch Russland an den Treffen teil und hat 2006 - trotz fehlender Vollmitgliedschaft - den Vorsitz der G8 inne.
Wesentliche Themen auf den ersten Treffen waren vor allem die Währungspolitik nach dem Zusammenbruch des Wechselkurssystems von Bretton Woods(1) sowie die erste große Ölkrise 1973. Im Rahmen dieses "Weltwirtschaftsgipfels" sollten vor allem die nationalen Wirtschaftspolitiken der beteiligten Staaten auf informellem Weg koordiniert werden. Mit dem weltweiten Vormarsch des Neoliberalismus veränderten sich auch die Funktion sowie das Themenspektrum. Im Fokus steht nicht mehr allein die Weltwirtschaft, sondern auch wesentliche Fragen der internationalen Politik werden aufgegriffen.
In den achtziger Jahren wurden verstärkt Fragen der Sicherheit, von Stellvertreterkriegen und Rüstungspolitik erörtert. In wirtschaftspolitischer Hinsicht steht das Schuldenmanagement im Sinne von neoliberaler Strukturanpassung im Vordergrund. Seit den neunziger Jahren wurde die Agenda noch mit den Fragen von Entwicklung, Umwelt, Energie, AIDS und aktuell des Terrorismus ergänzt.
Bei dem kommenden G8-Gipfel, der vom 14. bis 17. Juli in St. Petersburg stattfinden wird, steht die Frage der "Energiesicherheit" im Zentrum. Nach Angaben der Nichtregierungsorganisation (NGO) "Forum Umwelt und Entwicklung" planen die Staaten der G8 in den nächsten 25 Jahren Investitionen in Höhe von 15.000 Mrd. Dollar in atomare und fossile Energieträger. Im Zusammenhang mit der Energiesicherheit geht es natürlich auch um die Kontrolle über den Nahen Osten und seine Ressourcen.
Neben der Bekämpfung illegaler Migration steht für die G8-Gipfel in den kommenden Jahren auch der Schutz von geistigem Eigentum auf der Tagesordnung. In diesem Zusammenhang wird aktuell durch das TRIPS-Abkommen(2) der WTO (welches nicht zuletzt auch durch Bundeskanzlerin Merkel forciert wird) auch ein massiver Eingriff zur Privatisierung öffentlicher Dienstleistungen und Gütern vorgenommen.
Anmerkungen
(1) Das Bretton-Woods-System wurde 1944 begründet und bezeichnet ein internationales Währungssystem mit auf dem US-Dollar basierenden festen Wechselkursen, welches als wesentliche Grundlage für den wirtschaftlichen Aufschwung nach dem 2. Weltkrieg angesehen wird. Die US-Zentralbank war verpflichtet, ihre Währung jederzeit in Gold einzutauschen. 1973 wurde durch die Aufkündigung der Goldeinlösepflicht seitens der USA und die Freigabe der Wechselkurse dieses System außer Kraft gesetzt. Die auf der Konferenz von Bretton-Woods (Ortschaft in New Hampshire, USA) getroffenen Vereinbarungen beinhalteten darüber hinaus auch die Einrichtung des Internationalen Währungsfonds (IWF) sowie der Internationalen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (IBRD).
(2) Agreement on Trade-Related Aspects of Intellectual Property Rights - Übereinkommen über handelsbezogene Aspekte der Rechte an geistigem Eigentum.
